Naro – die „harte“ Nuss aus dem Eurasier-Rudel

Naro

NaroMit dem größeren Rudel Eurasier Anfang des Jahres 2008 kam auch Naro – damals ein hübscher, noch nicht mal jähriger Junghund. Er gehörte zu denen, die im Nordlicht einzogen und schon bald wurde klar, dass die Arbeit mit Naro eine anspruchsvolle werden würde.

Naro hielt sich außen vor, doch nicht mit jener geduckten, ängstlichen Haltung der meisten Eurasier, sondern stolz und würdevoll. Naro flüchtete auch nicht vor den Zweibeinern, er wich aus, zog sich zurück, blieb - als wäre es eine bewusst getroffene Entscheidung - fern und für sich.

Sehr bald zeigte sich unter dem Training, dass die Bedingungen in der Station alles andere als ideal waren, um einen Naro davon zu überzeugen, dass es nützlich und gut ist, sich in irgendeiner Form mit dem Menschen zu arrangieren.

Viel versprach man sich für Naro durch die Unterbringung in einer Pflegestelle, das Ergebnis ein anderes, als angedacht. Denn der schlimmste anzunehmende Fall bei einem solch abweisend-scheuen Hund trat ein: Naro entwischte ….Naro

Doch Naro war nicht weg – im Dunstkreis seiner Pflegestelle und doch unerreichbar für jeden menschlichen Zugriff hielt er sich auf, erste Einfangversuche mit allen möglichen Mitteln scheiterten. Die Angst, Naro zu vertreiben durch diese Versuche, war unbegründet, er blieb vor Ort und ging eine Beziehung „nach seinen Regeln“ ein. Allabendlich fand er sich innerhalb eines genau bestimmbaren Zeitraums an derselben Stelle ein um sein Abendessen abzuholen und ein wenig Zeit in Gesellschaft seines Pflegefrauchens zu verbringen. Natürlich nach seinen Bedingungen: mit ausreichend Abstand zwischen ihnen beiden, den er nur sehr langsam und eher unwillig verringern ließ.

Es dauerte Wochen, bis man Naro, der schließlich in einem Moment der Unachtsamkeit überlistet werden konnte, wieder habhaft war und ihn bei den noch verbliebenen Eurasier-Mädeln in der Station in Freudenstadt integrieren konnte.

Naro mit einer Samptpfote

 

Mittlerweile lebt Naro wieder auf einer Pflegestelle, diesmal allerdings zusammen mit Vierbeinern, die Erfahrung mit Hunden wie ihm haben und ganz selbstverständlich ihren Alltag weiterleben, mit ihren Menschen gemeinsam.

Naro lebt Teile dieses Alltages mit, jene zu denen man ihn nötigt wie gemeinsame Spaziergänge. Alles, was er auf freiwilliger Basis tun könnte, wie zum Beispiel das freie sich Bewegen innerhalb der Wohnung lehnt er überwiegend ab und bezieht meist – unnahbar, aber würdevoll aus seinem schwarzen Pelz schauend – Stellung am äußersten Randbereich des Geschehens.

Es wird also noch etwas dauern, bis Naro für sich einen Weg gefunden hat, Menschen (für diese) verlässlich in seine Lebenssituation mit einzubeziehen. Vermutlich wird es ein Verhältnis werden ähnlich einer Kooperation, so wie das, was er freiwillig in den Wochen seiner vermeintlichen Freiheit einging, dass er je „Untergebener“ wird, ist eigentlich nicht vorstellbar.

 

Naro und Akami

Naro sucht momentan vor allen Dingen Paten, die ihn bei der Suche nach einem für ihn gangbaren Lebensweg in dieser Welt, die keine frei lebenden Hunde mehr vorsieht, unterstützen.

 

Dezember 2008: NARO ist Probe wohnen

NaroEs ist nie einfach, einen scheuen Hund, dem man erste Grundlagen der Sozialisierung vermittelt hat, loszulassen. Naro aber war und ist ein besonderer Fall. Man hatte als Mensch das Gefühl, der Hundemann lebt sein eigenes Leben und zieht sein Ding so ab, wie er denkt. Er schien uns zu signalisieren: Mensch? Nee, den brauch ich nicht.

Und plötzlich erwacht so eine kleine Hundeseele zum Leben – merkt, wie schön das alles sein kann, zeigt Interesse an den anderen Hunden in der Pflegestelle, äußert auch mal ein Bedürfnis und schlüpft langsam aus der Rolle des „nix sehen, nix hören, nix sagen“ heraus.

Der ganze Anfangsstress, den man hatte, der war auf einmal vergessen, naja, nicht so ganz, aber die Panik ließ nach und man ging „fast“ zur normalen Tagesordnung über. Immer öfter zeigte Naro ein Spielgesicht, nicht nur den kleinen Hunden, auch den zugehörigen Zweibeinern - der Zeitpunkt war gekommen, wo man an das Abschied nehmen denken muss.

Naro, KEIN WeihnachtsgeschenkUnd jedes Mal ist es schmerzlich, man hat den Eindruck, dass man zum Verräter wird. Und dieser Eindruck bestärkt sich dann, wenn man so ein geöffnetes Hundekind weitergibt und mitbekommt, dass es wieder in sein altes Verhaltensmuster verfällt, sich zunächst wieder verschließt.

Wären wir nicht der Überzeugung, dass Naros Interessenten die RICHTIGEN sind, hätten wir uns nicht auf den weiten Weg gemacht. Für seine Verhältnisse lief er locker durch die neue Umgebung, um sich dann neben dem Esstisch seinen Platz zu suchen. Ein bisschen schlecht, so unterm Weihnachtsbaum. Nein, Hunde wie Naro sind kein Weihnachtsgeschenk. Ganz im Gegenteil – es wird ein harter Weg sein, den er gehen muss und auch für seine Menschen wird es nicht einfach.

Naro

Naro

 

Neue Umgebung, neue Menschen – – eine neue vierbeinige Gefährtin, die ihn schon zum Spiel auffordert. Das alles ist eine Reizüberflutung, die Naro erst einmal verkraften muss. Wir bleiben über Stunden mit dabei, versuchen es Naro und den neuen Menschen leichter zu machen, aber dann müssen wir uns auf den Heimweg machen.

Schwer ist es uns gefallen, Naro war bereits so gut in die Pflegestelle integriert, dass er nun fehlt. Auch die kleinen Therapiehunde haben versucht, ihm schon seinen neuen Platz vorzuwärmen, um ihm so den Einstieg leichter zu machen. Wir sind guter Dinge, dass Naro es mehr als gut getroffen hat und das Probewohnen vielleicht nahtlos in einen „festen Wohnsitz“ übergeht.

 


 

 

 

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letzte Bearbeitung am 22. Dez 08